»Apokalyptiker« von Christoph Künne

Stellen Sie sich vor, es treffen sich 600 vornehmlich junge Menschen auf einem alten NVA-Gelände und spielen vier Tage lang ohne Unterbrechung ein von Mad Max-Filmen inspiriertes Rollenspiel. Mit Team-Quartieren in Bauruinen, Endzeit-Funktionskleidung und speziell für diesen Zweck umgerüsteten Fahrzeugen.

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Den Handlungsrahmen bildet ein Wirtschaftsleben, in dem jeder gegen Belohnung agieren muss, um zu überleben. Da wird mit Ausrüstung gehandelt, es gibt ebenso eine Nackttanzbar wie rustikale Gastronomie. Jeder Teilnehmer kann praktische Dienstleistungen anbieten und verkaufen, etwa Wach- und Schutztätigkeiten. Wessen Charakter stirbt, der muss sich zum Weiterspielen gänzlich neu erfinden. Dazu gehört eine Vita, passende Bekleidung sowie Ausrüstung, die dem Charakter beim Erfüllen seiner Rolle dient.
Dieses Szenario der spezielleren Art spielt sich seit rund 10 Jahren jeden Sommer in einem kleinen Ort nahe Magdeburg ab. Die Teilnehmer kommen aus vielen Gesellschaftsschichten und Bildungsmilieus. Sie treten oft in hierarchisch strukturierten Teams auf, in denen sie auch an anderen kostenpflichtigen Conventions ähnlicher Art teilnehmen. Wer nicht mitspielt, hat normalerweise keinen Zutritt – es gibt also nur Teilnehmer, die geichzeitig ihr eigenes Publikum darstellen.
Die Aufnahmen zeigen Mitspieler des „Fate“ genannten Festivals, die sich für kurze Zeit aus ihrer „In Time“-Endzeitspiel-Rolle begaben, um sich fotografieren zu lassen. Bei einigen verlief der Rollenwechsel sehr dynamisch, andere taten sich schwer mit dem Übertritt von der „In-Time“-Rolle zur „Out Time“-Situation. Das führte dann zu Vertröstungen wie „sorry, ich komme in einer halben Stunde, mein Charakter ist gerade auf Droge“. Eine kleine Gruppe, wie zum Beispiel die „Silly Sisters“, wollte ihre Rolle gar nicht verlassen und erklärten nur kurz: „Unsere Charaktere sind so doof, die müssen die ganze Zeit kichern“. Und dann alberten sie rollenkonform weiter – solange, bis die Aufnahmen abgeschlossen waren..

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